Rhythmicalizer.
A digital tool to identify free verse prosody

Gefördert durch die Volkswagenstiftung im Programm Mixed Methods in den Geisteswissenschaften; 2017-2020.
We're hiring! If you are interested in pursuing a (funded) PhD in our project please get in touch (contacts below; Timo is at Coling next week where you could find and meet him).

Kurzfassung:

Mindestens 80% der modernen und postmodernen Gedichte haben weder einen Reim noch ein festes Metrum wie etwa den Jambus oder Trochäus. Aber heißt dies, dass sie von rhythmischen Strukturen gänzlich frei sind? Die US-amerikanische Theorie der freien Versrhythmik behauptet das Gegenteil: Moderne Dichter wie Walt Whitman, Imagisten wie Ezra Pound, Beatpoeten wie Alan Ginsberg oder heutige Slam-Poeten hätten eine "postmetrische" Versform entwickelt, die von Prosarhythmen, Alltagssprache oder Musikstilen wie Jazz oder HipHop geprägt ist.

Unser ab dem 1. Januar 2017 von der VW-Stiftung mit einem Fördervolumen von 450.000 Euro gefördertes Projekt will diese Theorie auf der Grundlage einer digitalen Musteranalyse überprüfen. Wir sind ein Team aus Informatikern und Literaturwissenschaftlern sowohl von der FU Berlin wie der Universität Hamburg. Unsere Partner sind "lyrikline" und "Pennsound", zwei der wichtigsten Internetseiten für deutsche und amerikanische Hörgedichte. Wir werden die sehr effektive Prosodieerkennung aktueller Sprachtechnologien der Computerlinguistik zur digitalen Analyse rhythmischer Muster verwenden.

Das philologische Teilprojekt identifiziert zunächst spezifische rhythmische Muster der modernen und postmodernen deutsch-amerikanischen Lyrik. Das digitale Teilprojekt entwickelt daraus eine digitale Muster(wieder-)erkennung auf der Grundlage maschinellen Lernens. Unser Ziel ist die Entwicklung einer Methode und einer Software zur digitalen Prosodieerkennung und formalen Korpusanalyse (post-)moderner Hörgedichte.

Traditionelle Verslehren verwendeten metrische Muster wie etwa den Pentameter oder den Hexameter zur Identifikation literarischer Genres wie der Elegie oder literaturgeschichtlicher Einflüsse wie dem der griechischen Lyrik auf die deutsche Lyrik des 18. Jahrhunderts. Ebenso wird unsere Analyse rhythmischer Muster es künftig ermöglichen, poetische Formen eigenrhythmischer Lyrik oder den literarischen Einfluss der US-amerikanischen free verse prosody auf die deutschsprachige Lyrik der (Post-)Moderne präzise zu erfassen. Langfristig wird unser interdisziplinär entwickeltes Tool auf lyrikline.org platziert werden, um so für die universitäre Lehre und Forschung nachhaltig nutzbar zu sein.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen:

Projektbeteiligte: